Willkommen im neuen Forum Open Mindwork. Wenn Du das erste Mal hier bist, lies zum Einstieg am besten diese Ankündigung.

Wege aus dem Hass - zurück zu einer konstruktiven Netzkultur

Was gerade aktuell ist in der Welt - aus einer offenen Perspektive
     
Benutzeravatar
Andreas
Admin
Beiträge: 65
Gender: Männlich
Kontakt:
Status: Offline

Wege aus dem Hass - zurück zu einer konstruktiven Netzkultur

Beitrag #140 von Andreas » 29.05.2016 20:05

Was mich derzeit am meisten beschäftigt: weniger als die gesellschaftspolitischen Themen an sich besorgt mich der Umgang damit, der zunächst im Netz stattfindet und dann in die materielle Welt überschwappt.

Mit etwas Einsatz und einer konsequenten Umsetzung gewisser Grundregeln scheint es mir gar nicht so schwer zu sein, mit Trollen und pöbelnden "Überzeugungstätern" im Netz umzugehen.

Viele Diskussionen verlagern sich aus den klassischen Diskussionsforen wie diesen zu Facebook und Co. und in die Kommentarspalten der Blogs und Medien. Ich finde das befremdlich, denn die Werkzeuge, um eine übersichtliche und konstruktive Diskussion zu führen sind dort kaum vorhanden und liegen oft nicht im eigenen Ermessen und entziehen sich der eigenen Kontrolle. In einem Forum sind die Möglichkeiten ausgefeilt und erweiterbar nach Bedarf.

Es scheint, viele Menschen WOLLEN gerade diese Eskalation, selbst dann wenn sie sich selbst nicht daran beteiligen und nur Zuschauer sind. (Ich nenne das gerne die "Popcorn-Fraktion")

Nun ja, mir liegt das nicht, meine Versuche in Facebook-Gruppen zu bestimmten Themen teilzunehmen, die mich interessieren, sind gescheitert. Ohne Troll-Kontrolle geht mir schnell die Freude am Austausch flöten. Dann versuche ich es lieber doch wieder einmal mit einem "Foren-Experiment" hier im Forum OM.

Falls es Dir auch so geht wie mir und Du gerne öffentlich und konstruktiv zu den Themen der Zeit diskutieren möchtest: hier kann das möglich sein. Meine strike Haltung in diesem Forum: Meinungen sind erlaubt, Differenzen in der Sache gewünscht - aber der Umgang mit einander, der muss stimmen.
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts.
"
(Dilgo Khyentse Rinpoche)

Benutzeravatar
Andreas
Admin
Beiträge: 65
Gender: Männlich
Kontakt:
Status: Offline

Re: Wege aus dem Hass - zurück zu einer konstruktiven Netzkultur

Beitrag #145 von Andreas » 01.06.2016 18:05

In diesem Zusammenhang kann man eigentlich nur empfehlen, Sascha Lobo, vor allem seinen Kolumnen bei Spiegel Online, regelmäßig zu lesen. Als Kommunikationswissenschaftler und Liebhaber asthetisch-funktionellen Sprachgebrauchs finde ich da nicht nur Perlen, es ist eher sowas wie eine überquellende Schatzkiste.

Sascha Lobo am 1.6.16:
tl;dr
Der Diskurs ist defekt, und das macht seine Unerträglichkeit aus. Aber ich fürchte, es hilft nur die Flucht nach vorn. Wenn ich nur wüsste, wie die aussieht.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpoli ... 95257.html
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts.
"
(Dilgo Khyentse Rinpoche)

Benutzeravatar
Danny D
Eins
Beiträge: 8
Gender: Männlich
Status: Offline

Re: Wege aus dem Hass - zurück zu einer konstruktiven Netzkultur

Beitrag #146 von Danny D » 03.06.2016 01:00

Ein Forum ist halt immer abhängig von seinen Mitgliedern. Ein geschulter Umgang mit dem Gegenüber ist schon lange nicht mehr an der Tagesordnung, weder virtuell noch real physisch. Dies ist zwar betrüblich, aber eben Zeitgeist und somit nicht "aus der Welt zu schaffen".

Auch merke ich selbst, das die Basics einer konstruktiven Diskussion bei 70% der Forenteilnehmer fehlen. Ich bin zwar selbst ein Typ, der auch gerne mal direkt, zynisch oder sarkastisch wird, dies aber nie aus böser Absicht heraus und auch nicht "als Programm". Es kommt auf das Gegenüber an - und das ist eben der Punkt.

Meiner Meinung nach fehlt es einfach an "Qualität" bzw. an Wissen und Erfahrung. Es werden immer mehr "Wikipedia Auszüge" verwendet oder irgendwelche Referenzen im Netz gesucht, anstatt von sich und seiner Erfahrung zu berichten. Das ist ein Phänomen, was ich gerne nenne, sich "als Fachmann tarnen". Aber das ist kein Kontakt auf Augenhöhe. Doch Fakt ist, dass es dies zunehmendst überall in jeglichen Foren gibt...dies erkennt man oft auch an den Threadenden, wo das Thema eigtl. im Sand verlaufen ist. Off Topic ist zwar nicht immer zu vermeiden, ist aber schon Regel. Schon auf der ersten Seite wird meist schon das Thema verlassen.

Was ich eigtl. damit sagen möchte: Ein stärkere Kontrolle und Zensur würde nicht optimal funktionieren, da es immer wieder solche User gibt und auch immer geben wird. Ich persönlich habe meine "Forenaktivitäten" schon zu 90% auf PN gelegt, was ich vor 2, 3 Jahren überhaupt nicht gemacht habe.

War mal ein kurzer Abriss...aber ein Forum ist halt auch einfach so ne Parallelwelt. Es ist ja kein geschlossener Zirkel und auch keine homogene Gruppe. Wenn du raus vor die Tür gehst, dann kannst du mit 8 von 10 Leuten auch nicht diskutieren, weil bei denen einfach die Basics fehlen und ständig emotional und egomäßig überzogen reagiert wird. Meiner Erfahrung nach fällt es Menschen ungemein schwer, einfach über "Ideen" zu diskutieren. Sie stellen bei dem Gesagten immer sofort einen Bezug zu sich her und dann kommt das übliche: "Ja, aber ICH..."

Ich kenne es von meinem Vater, der ist genauso. Ein lockerer Typ eigtl. aber er kann einfach nicht "neutral" bleiben. Egal was du sagst, auch wenn es irgendetwas von Heidegger wäre kommt irgendeine Geschichte, die er mal erlebt hat. Natürlich ist da überhaupt keine Verbindung. Aber so ist es nunmal...in Foren, im Leben.
"Das Glück ist nicht in der Begierde, sondern in der Abwesenheit von Begierde, genauer, in der Begeisterung für diese Abwesenheit" -Cioran

Benutzeravatar
Andreas
Admin
Beiträge: 65
Gender: Männlich
Kontakt:
Status: Offline

Re: Wege aus dem Hass - zurück zu einer konstruktiven Netzkultur

Beitrag #147 von Andreas » 03.06.2016 15:09

Hallo Danny, danke für Deine Beobachtungen :) Die Tendenzen sind wirklich bedenklich, aber es ist ja zum Glück selten, dass etwas in eine Richtung abdriftet und dann keine Gegenbewegung erfolgt. Hegel hat das ja besonders prominent beschrieben; wobei ich denke dass es nicht immer eine Synthese gibt, manchmal pendelt es auch einfach zwischen These und Antithese hin und her.

Ich würde den Kopf nicht in den Sand stecken wollen und es nicht aufgeben, Gegenimpulse zu setzen. Ein grosses Problem ist derzeit aber die Technik, wenn z.B. bei facebook die Software entscheidet, was man zu sehen bekommt, und wo aufgrund einer "Feedback-Schleife" besonders die destruktiven Elemente verstärkt werden und zusätzlich diese "Echokammern" entstehen, wo gar keine Gegenmeinungen mehr auftauchen. fb gewichtet nach Likes, und Likes werden besonders durch emotionalisierte Beiträge generiert und nicht so sehr durch kühle Sachlichkeit oder Fundiertheit. Also werden die Beiträge besonders wichtig, die starke Emotionen auslösen, egal ob sie sachlich richtig sind oder nicht. Durch die Wiederholungen in der "Echokammer" werden dann Fehl-Informationen zur "gefühlten Realität".

Das ist aber letztlich nichts, was man nicht durch Einstellungsmöglichkeiten oder technische Veränderungen verändern könnte. facebook verändert faktisch die Realität, das müssen sie anerkennen und sich dann trauen, dies mit einer konstruktiven Ausrichtung zu tun. Erste Startups gehen schon in so eine Richtung, nicht durch inhaltliche Steuerung, das wäre Zensur, sondern durch einen Einfluss der Technik auf den konstruktiven Stil der Diskussion.

Das betrifft ja aber nur die grossen Netzwerke, Kommentarbereiche der redaktionellen Medien und Blogs usw. In seinem eigenen Umfeld kann man mit etwas Moderationsaufwand durchaus für einen gepflegten Umgang sorgen. Problematisch ist bei kleinen Foren nur, dass oft die sinnlosen Streiteren den meisten Traffic bringen, während sachliche Diskussionen auch hier eher leise sind und keine grosse Aufmerksamkeit anziehen. Ich habe den Eindruck, dass einige Foren schon allein deswegen nicht gegen Trolle vorgehen, weil ohne sie kein "Leben" ins Forum kommen würde.
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts.
"
(Dilgo Khyentse Rinpoche)

Benutzeravatar
Andreas
Admin
Beiträge: 65
Gender: Männlich
Kontakt:
Status: Offline

Re: Wege aus dem Hass - zurück zu einer konstruktiven Netzkultur

Beitrag #167 von Andreas » 09.07.2016 16:57

Spiegel Online:
"Facebook ist "Katalysator für den Hass": So begründet das Journalistenbündnis Netzwerk Recherche die Entscheidung, warum es das Unternehmen zum Informationsblockierer 2016 ernannt hat.

Der Negativpreis "Verschlossene Auster" der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche geht in diesem Jahr an . Die Vereinigung kritisiert damit den nach ihrer Ansicht intransparenten Umgang des US-Unternehmens mit Hasskommentaren. "Dass Menschen Facebook für solche Botschaften missbrauchen, liegt nicht in der Verantwortung des Unternehmens. Wie die Firma dagegen vorgeht, allerdings schon", hieß es am Samstag auf der Jahreskonferenz des Netzwerks Recherche in Hamburg. Es sei nicht erkennbar, ob und nach welchen Kriterien Facebook solche Kommentare lösche.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/face ... 02224.html
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts.
"
(Dilgo Khyentse Rinpoche)

Benutzeravatar
Andreas
Admin
Beiträge: 65
Gender: Männlich
Kontakt:
Status: Offline

Re: Wege aus dem Hass - zurück zu einer konstruktiven Netzkultur

Beitrag #168 von Andreas » 19.07.2016 17:01

Spiegel Online:
"Die Ermittler haben mittlerweile erkannt, dass Verrohung in den sozialen Netzwerken auch reale Gewalttaten nach sich ziehen kann.
Zusammengefasst: Justizminister Heiko Maas versucht, Facebook und andere Tech-Konzerne über eine Task Force zur Bekämpfung von Hetze im Netz in die Pflicht zu nehmen. Die bisherigen Ergebnisse der Arbeitsgruppe sind dürftig. Aktuell sind es vielmehr die deutschen Ermittler, die Druck aufbauen, indem sie offensiver als bisher gegen die Hetzer selbst vorgehen."

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpoli ... 03620.html
"Die tägliche Praxis des Dzogchen ist einfach das tägliche Leben selbst.
Wir sind aus uns selbst heraus erleuchtet und es fehlt uns nichts.
"
(Dilgo Khyentse Rinpoche)


Zurück zu „Zeitgeschehen - Diskussionen“



Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast